Horst Bingel-Preis 2014

Der Horst Bingel-Preis für Literatur wird gemäß den Vorstellungen des Namensgebers zur Literaturförderung seit 2014 vergeben.

Vorausgegangen waren lange Verhandlungen zwischen der Horst Bingel-Stiftung für Literatur e.V. und dem VS Hessen / ver.di, die den Preis zu gleichen Teilen vergeben. Laut Statuten gilt:

  • Der "Horst Bingel-Preis für Literatur" wird alle zwei Jahre gemeinsam von der "Horst Bingel-Stiftung für Literatur e. V." und der "Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Landesbezirk Hessen" vergeben.

  • Der Preis wird vergeben an Autorinnen oder Autoren, die mindestens eine Veröffentlichung bei einem eingeführten Verlag haben und deren Werk literarische Qualität mit gesellschaftspolitischem Engagement vereinbart. Die jeweils zur Prämierung anstehende Literaturgattung wird von der Jury bestimmt.

  • Der Preis kann auch vergeben werden für die herausragende Tätigkeit von Persönlichkeiten, die sich bei der Literaturförderung im Sinne Horst Bingels engagiert haben. Dazu gehört die Herausgabe repräsentativer Anthologien ebenso wie die Durchführung öffentlicher Veranstaltungen, die der Vermittlung von Literatur dienen.

  • Der Preis wird nicht ausgeschrieben. Die Jurymitglieder – und damit die Mitglieder der Horst Bingel-Stiftung für Literatur e.V. und des ver.di Landesbezirks Hessen – können Vorschläge machen. Die Zahl der Vorschläge sollte sechs nicht überschreiten. Es müssen zur Wahrung der Parität gleich viele weibliche wie männliche Preisträgerinnen und Preisträger vorgeschlagen werden.

  • Die Jury besteht in paritätischer Besetzung aus je zwei Mitgliedern der Horst Bingel-Stiftung für Literatur e.V. und des ver.di-Landesbezirks Hessen. Ein fünftes Jurymitglied ist von diesem Gremium zu benennen. 

  • Der Horst Bingel-Preis für Literatur ist mit € 8.000,00 dotiert.

Horst Bingel-Preis für Literatur 2014 an Nadja Küchenmeister

2014 sollte der Horst Bingel-Preis für Literatur als Lyrikpreis vergeben werden. Michael Krüger, Literaturexperte und langjähriger Leiter des Hanser Verlags wurde gebeten, fünftes Jurymitglied für die Vergabe des ersten Horst Bingel-Preises für Literatur zu sein, und sagte zu.

Der Preisvergabe voraus ging eine Seminarveranstaltung, bei der die von ihm und den beiden preisgebenden Organisationen benannten Kandidaten sich der Öffentlichkeit vorstellten. Mit dabei waren:

Andreas Altmann, Daniela Danz, Nadja Küchenmeister, Leander Sukov und Martina Weber.

Jan Wagner konnte leider nicht kommen, sein Werk wurde aber vom Moderator Harry Oberländer vorgestellt.

In der anschließenden Jurysitzung wurde – wie vorher angekündigt - die Entscheidung nicht aufgrund der flüchtigen Eindrücke von der Seminarveranstaltung, sondern aufgrund der vorliegenden Texte getroffen. Die Wahl fiel einstimmig auf die Lyrikerin Nadja Küchenmeister.

In der Begründung der Jury heißt es, „dass ihre Gedichte durchzogen sind von einem Gefühl der Sehnsucht. Einer Sehnsucht nach dem, was fehlt, nach dem, was einst war. Einem Gefühl des Verlusts also. Es ist die Erfahrung der Vertreibung aus dem Land der Kindheit, die hier zur Sprache kommt. So sehr, wie es sich bei diesem Land um eine innere Welt zu handeln scheint, so lassen sich einige der Gedichte auch auf die Außenwelt beziehen, auf den Staat, in dem die Autorin aufgewachsen ist, den es heute nicht mehr gibt, der für ihre Generation aber von Bedeutung ist.“

 

 

Eindrücke von der Preisverleihung

Ehrung für Nadja Küchenmeister - Erster Horst Bingel-Literaturpreis wird vergeben

Die in Frankfurt ansässige Horst Bingel-Stiftung hat einen neuen Literaturpreis ins Leben gerufen. Er ist wie die Stiftung nach dem Autor Horst Bingel benannt. Erste Preisträgerin wird Lyrikerin Nadja Küchenmeister.

Horst Bingel (Foto), 1933 im nordhessischen Korbach geboren, lebte und arbeitete seit 1954 bis zu seinem Tod im April 2008 in Frankfurt am Main. Er war eine Vielfachbegabung, Prosaautor, Lyriker und Grafiker, Bundesvorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller, Herausgeber von Anthologien und sogar, so etwas gibt es, von 1983 bis 1985 Stadtschreiber von Offenbach. Bingel setzte immer wieder Kontrapunkte zum regulären, in der Nachkriegszeit auch stark von den Platzhirschen der Gruppe 47 dominierten Literaturbetrieb. 1965 gründete er das Frankfurter Forum für Literatur, das einen Autorenaustausch von Kollegen aus West- und Osteuropa ermöglichte; 1973 initiierte er während der Buchmesse eine Büchertram, in der Schriftsteller permanent während der Fahrt aus ihren Werken vorlasen.

Die in Frankfurt ansässige Horst Bingel-Stiftung hat nun in Kooperation mit dem hessischen Landesbezirk der Gewerkschaft ver.di und dem Verband deutscher Schriftsteller erstmals einen nach Bingel benannten Literaturpreis ausgelobt, der mit 8000 Euro dotiert ist. Um den Namen der Preisträgerin wurde bis zuletzt ein Geheimnis gemacht, nun ist es offizielle: Am Mittwoch, den 17. Dezember erhält die Lyrikerin Nadja Küchenmeister im hessischen Literaturforum im Mousonturm die Auszeichnung, die, der Ausschreibung gemäß, Schriftsteller ehrt, in deren Werk sich gesellschaftspolitisches Engagement und literarische Qualität verbinden. Selbstverständlich wird die 1981 geborene Preisträgerin, die im Frankfurter Verlag Schöffling & Co publiziert und als eine der bedeutendsten Stimmen der jungen deutschen Lyrik gilt, am Festabend selbst auch aus ihrem Werk vorlesen. Zuvor wird Barbara Bingel, Horst Bingels Witwe, das Publikum begrüßen; die Frankfurter Schriftstellerin und Publizistin Hanne Kulessa wird über Horst Bingels Werk sprechen; die Laudatio auf Nadja Küchenmeister hält Holger Pils, der Leiter des renommierten Münchener Lyrikkabinetts.

>> Verleihung des Horst Bingel Literaturpreises, am 17. Dezember im Literaturforum im Mousonturm, Eintritt ist frei; Beginn: 20 Uhr

17. Dezember 2014

Christoph Schröder